verschiedene Kunststoffsorten, Eigenschaften, Proben gesucht

verschiedene Kunststoffsorten, Eigenschaften, Proben gesucht

Beitragvon Maltodextrino » 18.04.2010, 21:28

Hallo Leute bzw. hallo petersj (da er ja leider der einzige zu sein scheint der hier antwortet, aber besser als gar nichts :) )

Ich will neue Kunststoffplektren aus verschiedenen Kunststoffen per Spritzguss produzieren lassen. Das sind so Teile mit denen Stahlsaiten von Musikinstrumenten angeschlagen werden. Zur Zeit bin ich auf der Suche nach geeigneten Materialien. Das ganze muss natürlich hart und wiederstandsfähig sein. Als Materialien kommen generell so Sachen wie Acryl (PMMA) , Polycarbonat (PC), Delrin (zum Beispiel auch das auf dieser Seite vorgestellte Delrin 300CP) , Ultem , Polyamid usw. sowie die genannten Materialen glasfaserverstärkt in Frage.

Nun suche ich aber schon seid langem eine vollständige Gegenüberstellung wo alle wichtigen Eigenschaften (Kerbschlagzähigkeit, Schallgeschwindigkeit, Dichte etc.) vollständig und in vergleichbaren Einheiten aufgelistet sind. Kennt oder hat hier jemand so eine Liste? Am besten auch mit neuen, aktuellen Materialien wie zum Beispiel diesem Delrin 300CP.

Und Materialproben würden mich auch interessieren. Kann man die irgendwo bestellen oder kaufen? Schöne Grüße!
Maltodextrino
 
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Beitragvon petersj » 19.04.2010, 08:17

Hallo Malto...
Plektren aus GF-verstäkten Materialien? Die werden ja knüppelhart! Ich würde damit nicht spielen wollen. Selbst für Trash-Metall sind die zu hart!

Aber seies drum. Du hast schon verschiedene Materialien genannt. Geb die bei Google ein und du bekommst die Datenblätter.
Ansonsten:
http://www.albis.com/de-de/?page=2,6,0,0
http://www.materialdatacenter.com/mb/in ... #loadPage0
http://www.ktkgmbh.de/index.php?id=01
http://www.campusplastics.com/
http://plastics.bayer.com/plastics/emea ... ctfind.jsp
http://techcenter.lanxess.com/scp/emea/ ... /index.jsp?
pid=55
https://plastics.bayer.com/plastics/emea/de/home.jsp
http://www.akchem.com/emt/eng/index.html
Und viele andere Datenbanken

Von unseren Produkten würde ich dir Cellidor empfehlen. Verschiedene Härten sind damit kein Problem, da unterschiedliche Weichmachergehalte lieferbar sind. Super gute optische Eigenschaften und leichte Verarbeitbarkeit. Farben können nach Wunsch eingestellt werden. Ist ein Kunststoff der aus Baumwolle hergestellt wird. Gibts aber schon ewig und ist relativ preisgünstig. Hab mir die "früher" daraus selbst in der Firma hergestellt. Funktionierten auch am E-Bass super!

Bemusterung ist natürlich von allen Firmen möglich. Die Frage ist nur: Meistens ist die minimale Mustergröße 25kg. Da kannst du schon ne Jahresproduktion draus fahren! Und Muster sind heute selten noch kostenlos.

MfG. Petersj
petersj
 
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Beitragvon Maltodextrino » 19.04.2010, 17:44

Nabend...
Glaub mir, bei meinen Formen machen nur harte Materialien einen Sinn und man kann "trotzdem" mit spielen. Gerade als Bassist wirst du da Freude dran haben ;)

Das mit dem Cellidor klingt interessant. Ich würde aber wenn dann ohne Weichmacher probieren ;) . Aber ich dachte bisher Zelluloid ähnliche Sachen kommen bei meinen Formen nicht in Frage, da ich gehört habe Zelluloid kann nur dünn, folienmäßg verarbeitet werden weil die "Trocknung" (was auch immer da trocknet...) bei kompakten Teilen viel zu lange dauern würde. Ist das bei dem Cellidor anders? Sind damit auch massive Teile (wie beispielsweise Spielwürfel) möglich? Meine Teile sind stellenweise bis zu 1 cm dick.
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Beitragvon petersj » 20.04.2010, 06:34

Cellidor ist nur der Markenname. Es gibt im Grunde 2 Sorten davon. Cellidor besteht zu ca 50% aus Zellulose. Je nach Säure oder Säurekombination die bei der Veresterung verwendet wurde unterscheidet man zwischen Propionaten (CP) und Butyraten (CAB). Es sind also "amorphe Celluloseester-Formmassen", transparent und mit einer hochglänzenden Oberfläche. Die Haptik ist hornartig und angenehm anzufassen. Jedes Material enthällt Weichmacher, beginnend mit ca 3% bis max 18%. Die Dicke die du gerne hättest dürfte kein Problem darstellen, denn z.B. Schraubendrehergriffe mit ca 3-4cm Durchmesser sind ebenso herzustellen (Spritzguß) wie Folien und Folierungen von 0,1mm.
Die Farbskala zieht sich durch das gesammte Sprektrum sowohl transparent als auch gedeckt. Sicherlich kann auch Glasfaser eingearbeitet werden. Auf Grund der optischen Qualitäten wurde das aber bisher fast nie gewünscht ist aber definitiv möglich.
Was die Trocknung angeht hast du ja keine massiven Teile. Es ist ein 3mm Zylindergranulat. Je nach Weichmacher bei 60-90°C ca 1-2Stunden Trocknungszeit wenn sich beim Verarbeiten Schlieren zeigen.
Das Material ist allerdings sehr empfindlich gegen Fremdmaterialien. Gerade bei transparenten Einstellungen zeigen sich die kleinsten Fremdmaterialpartikel als Wolke im Material.
Alternativ als besonders hartes Material kann ich noch Tedur (PPS) mit Glasfasern und oder Kohlefasern anbieten. Das ist dann aber wirklich richtig hart.
petersj
 
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Beitragvon Maltodextrino » 20.04.2010, 19:40

Danke für den Tipp mit dem PPS!
Das kannte ich noch gar nicht.
Könnte ein Kandidat für die super-harte Variante mit Kohlefaser sein.
Stutzig macht mich nur, dass im Internet auf manchen Seiten steht PPS ohne Verstärkung besitzt geringe Zähigkeit. Und ich wollte auch eine sehr harte Variante ohne Glasfaser weil dann die Oberfläche anders ist. Wenn das dann aber relativ schnell bricht wäre das nicht gut. Aber ich guck mir nochmal die Datenblätter an.
Kann das sein, dass bei Kunststoff manchmal die Zähigkeit leidet wenn das Material härter wird?
Ist mir zum Beispiel bei diesen Daten aufgefallen: ( Ich hoffe ich deute das als Laie alles richtig)

Delrin® 100 NC010 | POM | DuPont
Tensile Modulus 3120 MPa
Izod Impact notched, 1/8 in: 120 kJ/m
Charpy notched impact strength (+23°C) 14 kJ/m²

Delrin® 570 NC000 | POM-GF20 | DuPont (glasfaserverstärkt)
Tensile Modulus 5920 MPa
Izod Impact notched, 1/8 in: 34 kJ/m
Charpy notched impact strength (+23°C) 4 kJ/m²

Ok, Glasfaser ist weniger zäh, wird wohl daran liegen denk ich mal.

Und jetzt etwas was mich etwas verwirrt hat:

Ultem 2400 | PEI-GF40 | SABIC_IP
Tensile Modulus 11721 MPa
Izod Impact notched, 1/8 in: 0.117 kJ/m

Dieser 0.117 kJ/m Wert, das deutet doch darauf hin dass das leicht bricht oder? Zumindest leichter als Delrin? Und das bei dem hohen "Tensile Modulus" Wert von 11721 MPa. Kann das richtig sein, oder sind das andere Einheiten als bei den Delrin Daten? Ich hab aber schonmal so etwas gesehen, da hat mir einer ein Plektrum gezeigt, dass fast wie Keramik war. Total steif und hart, aber nach einigen Spielen zerbrochen, obwohl es relativ dick war. Sowas will ich ja auf keinen Fall... Aber ich habe langsam das Gefühl ich fordere die "eierlegende Wollmilchsau" wenn ich einen steifen unverstärkten Kunststoff suche der nie zerbricht.
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Beitragvon petersj » 21.04.2010, 05:45

Bei "Tensile Modulus" handelt es sich um einem Wert aus einem Zugversuch. Ich glaube, dass dieser für deine Anwendung irrelevant ist, da ein Plektrum m.E. nicht auf Zug sondern auf Biegung beansprucht wird. Deshalb sind die Werte der Bruchspannung, E-Modul (Biegeversuch) und Biegefestigkeit glaube ich wesentlicher. Allerdings wird bei besonders weichen Produkten oft kein Biegeversuch durchgeführt (Gummi) oder aber mit einer anderen Messmethode, also Achtung!
Aber grundsätzlich ist es richtig, dass die Proben bei dem gleichen Material mit abnehmender Zähigkeit meistens spröder werden. Durch die Zugabe von Glasfasern erhöht sich aber in der Regel das E-Modul, und das ist das, was du bei "Härte" brauchst. Heißt aber auch, dass es ja unterschiedliche Polymere gibt, die sich durch Glasfasern, Mineralien und Additive völlig unterschiedlich verhalten.
[u]Die Werte Charpy und IZOD.[/u]
Bei der Prüfung nach CHARPY liegt der Probekörper auf beiden Seiten auf einem Probehalter auf und wird dann genau in der Mitte vom Pendelhammer beaufschlagt. Bei IZOD wird der Probekörper nur einseitig gehalten und der Hammer trifft neben der Kerbe auf denselben. [u]Beide Werte sind nicht miteinander vergleichbar - auch nicht einmal PI mal Auge![/u]. Also hier für eine Messmethode entscheiden - Ich würde IZOD nehmen.
PPS
PPS ist ohne ein "Verstärkungsmaterial" sehr schlecht verarbeitbar. Als Rohware, sage ich immer, hat es nur zwei Zustände: flüssig und spröde wie Eis. Erst durch die Zugabe von Mineralien und auch Glasfasern wird es brauchbar. Und je nach Anwendung muss der Glas und Mineralgehalt abgestimmt werden. Siehe auch hier: http://www.albis.com/de-de/?page=2%2C6% ... arch=Tedur
Deine Version "Superhart" käme in etwa einem gehärteten Stück Stahl nach. Auch der Klang des Plektrums, wenn es auf den Boden fällt währe identisch!
Da hast du dir aber ganz schön was vorgenommen!
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